Architekturforum: Hightech-Werkstoff Holz in der Architektur

Holzhochdrei_LogoSechs Architekten, sechs Holzgebäude – beim Architekturforum am Messedonnerstag stehen aktuelle Bauprojekte im Mittelpunkt. Vorgestellt werden gewerbliche und kommunale Gebäude aus Italien, der Schweiz und Deutschland, die in den letzten zwei Jahren realisiert wurden. Die Veranstaltung findet anlässlich des europäischen Treffpunkts der Zimmerer statt, um Architekten, Planer und Holzbauunternehmer eine Austauschplattform zu bieten.

 

Die Holzgebäude, die für das Architekturforum auf der DACH+HOLZ International ausgewählt wurden, sind Beispiele für die Vielfalt moderner Holzarchitektur. Mit dabei sind die Holzbaufirma Blumer-Lehmann (Gossau/Schweiz), Sauerbruch Hutton (Berlin), Ziegert, Roswag, Seiler Architekten (Berlin), Deubzer König + Rimmel (München) und Rossi Prodi Associati (Florenz).
Der aus Florenz stammende Architekt, Prof. Fabrizio Rossi Prodi, sein in Mailand realisiertes Projekt Via Cenni vor. Unweit des Fußballtempels San Siro hat Prodi vier neungeschossige Holzhäuser errichtet. Sie zählen zu den höchsten Gebäuden in Europa, die komplett in Holz-Massivbauweise mit großflächigen Brettsperrholzelementen errichtet wurden. Seinem 2009 gewonnenen Wettbewerb lag die Grundidee „mixed development“ zu Grunde. Neben den zumeist als Sozialwohnungen genutzten 124 Wohneinheiten sollte in der Via Cenni (ausgeführt mit: ServiceLegno) ein neues Wohnviertel mit Kindergarten und Supermärkten entstehen, das eine Verbindung zwischen der ländlichen und städtischen Struktur dieser Gegend schafft – rund zehn Kilometer vom Mailänder Dom gelegen. Nach einer achtmonatigen Bauzeit sind die Häuser Mitte 2013 fertiggestellt worden, die gerade auch gegen die in dieser Gegend nicht selten auftretenden Erdbeben sicher sind.
Nicht ganz so hoch wie die vier Gebäude in Mailand ist das neue Bürogebäude der Tamedia AG in Zürich über das Martin Antemann sprechen wird. Antemann, einer der Geschäftsführer des schweizerischen Holzbauunternehmens Blumer-Lehmann, wird in seinem Vortrag die spezielle Tragekonstruktion dieses fünfgeschossigen Verlagsgebäudes vorstellen, in dem über 300 Journalisten ihre Büros haben. Dabei wird das Holzskelett, das dank einer Glasfassade gut sichtbar ist, durch Steckverbindungen zusammengehalten. Auf Schrauben und Nägel konnte daher fast komplett verzichtet werden. Dabei setzte Antemann und sein Team die Idee des japanischen Architekten Shigeru Ban handwerklich-technisch um. Seit Jahren setzt Ban, der den Werkstoff Holz für seine Freiform-Architektur sehr gerne einsetzt, auf das Know-how der Holzbaufirma Blumer-Lehmann aus dem Kanton St. Gallen – angefangen von einem Golfclubhaus in Südkorea bis hin zum Centre Pompidou in Metz. Und vielleicht kann Antemann dem Publikum schon mehr über das spätestens 2015 fertig gestellte Swatch Hauptquartier in Biel berichten. Denn auch für dessen geschwungenes Dach, das einer Schlangenhaut ähnelt, wird Shigeru Ban wieder mit den Konstrukteuren und Holzbauern von Blumer-Lehmann zusammenarbeiten.
Wie eine erfolgreiche Kooperation zwischen Architekt und Zimmerer aussieht zeigt die im März 2013 geweihte Immanuelkirche in Köln. Das Architekturbüro sauerbruch hutton hatte den Wettbewerb 2009 gewonnen. Sie setzten sich mit einem sakralen Gebäude aus Beton durch, aus Kostengründen entschied sich das Team um Jürgen Bartenschlag dann aber doch für den Werkstoff Holz, damals absolutes Neuland für das Berliner Büro. Bartenschlag berichtet in seinem Vortrag über die wechselvolle Entstehungsgeschichte und beschreibt die Vorzüge, die gerade bei diesem Bauvorhaben der Baustoff Holz hatte. Angesichts des hohen Vorfertigungsgrades verbaute das beauftragte Holzbauunternehmen Sauer über 260 m3 Holz in nur sieben Monaten Bauzeit.
Schwarze Löcher sind für die Studenten der Fakultät Physik der TU München Alltag. Nun befindet sich auf deren Campus in Garching auch noch ein Schwarzer Kubus. Die Architekten Deubzer König + Rimmel (ausgeführt mit: Merkle Holzbau GmbH, Bissingen und Teck) zeichnen sich für dieses temporäre Audimax, das angesichts des doppelten Abiturjahrgangs und der stark gestiegenen Studentenzahl notwendig war, verantwortlich. Professor Maximilian Rimmel wird über die speziellen Anforderungen dieses universitären Hörsaals berichten: streng limitiertes Budget, kurzer Realisierungszeitraum und zeitlich begrenzte Nutzung auf sechs Jahre. Das Besondere an diesem Holzskelettbau, der zwei Hörsäle umfasst, ist seine Fichtenfassade. Je nach Lichteinfall schimmert die silber-anthrazite Fassade und die Außenhaut erscheint wellenartig. Für das Audimax erhielt das Architekturbüro den Deutschen Holzbaupreis 2013.
Ebenfalls bereits mit Preisen ausgezeichnet wurde das Betriebsgebäude der artis GmbH. Das Architekturbüro Ziegert, Roswag, Seiler (ausgeführt mit: Zimmerei Holzbau Hunold GmbH & Co. KG, Leinefelde) verwirklichte im Auftrag eines Tischlers diesen innerstädtischen Gewerbebau. Im Mittelpunkt des Bauprojekts stand die Werkhalle, deren Außenwände und Dächer in Holzrahmenbauweise ausgeführt wurden. Eine große Rolle spielte bei diesem Gebäude auch das Thema Nachhaltigkeit. So gehört ein Gründach genauso zu diesem Gebäude wie eine Beheizung, die 100 %ig CO2-neutral über Produktionsreste erfolgt. Das Markante der Werkhalle ist das Hallendach, das von Fischbauchträgern mit einer Spannweite von 20 Metern getragen wird. Mehr über diese statische Herausforderung erfahren Architekten und Zimmerer von Eike Roswag.

 

Die Vorträge werden simultan Englisch-Deutsch übersetzt. Architekten und Planer können sich auf www.dachholz.de/architekturforum registrieren.

 

Programm

 

Messedonnerstag, 20 Februar 2014